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| Litha lehrt uns das Prinzip der Ausgewogenheit |
Auslöser war ein
Trachtenstück aus vergangener Zeit. Meine Oma war zum traditionellen
Erbsensuppen essen an Himmelfahrt zu besuch und ich zeigte ihr meinen
neuen Schatz. Eine Erntehaube. Ein Geschenk von einer sehr lieben
älteren Dame.
Die Augen meiner Oma
wurden feucht und funkelten zugleich. „Dat is ja ne Flutterkapp“
sprach sie in ihrem Plattdeutsch. Dann erklärte sie mir ganz genau,
wofür diese gebraucht wurde. Gegen die starke Sonne an den
Erntetagen auf den Feldern. Dann kam der Satz, der natürlich kommen
musste- ohja, wir alle kennen ihn und können ihn auch Nachts
runterbeten wenn wir geweckt werden. „Früher war alles besser!“
Ich sah sie an und
fragte: „Warum?“
Ohne nachzudenken
sagte meine Oma: „Doar hebt de Löö noch metmekaa proat‘vandage
geht alles automatisch. Man döt sein Wark und dat was‘t. Doar kans
ja blos bij kapott goahn“. (Übersetzung: Da haben die Leute noch
miteinander gesprochen. Heute geht alles automatisch. Jeder macht
seine Arbeit und das war es. Da kann man ja nur bei Kaputt gehen!)
Ich dachte noch
lange über ihre Worte nach und sie hat Recht.
So oft hat sie mir
von der Ernte damals erzählt. Sie war ein richtig hartes Stück
arbeit aber auch gesellig und schön. Es wurde schön gemacht. Mit
Liedern die während des Heu wendens gesungen wurden oder den schönen
Abenden mit „Trekkebühl“ (Akkordeon). Harte Realität und Arbeit
und wunderschöne ausgleichende Aktivitäten darin. Balance…
Wenn ich aus dem
Fenster sehe, sehe ich im Moment tatsächlich einen Bauern der sein
Feld bestellt. Er fährt den neusten Trecker. Top modern. Auch wenn
ich ein Bauernkind bin, kenne ich das Gefährt welches er hinten dran
hat nicht einmal. Es scheint eine Mischung aus Pflug und Ausstreuer
zu sein. Was auch immer. Beängstigendes Monster :) Der Bauer sitzt
auf seinem Trecker. 6 Stunden lang. Er fährt und hat sein Handy am
Ohr. Ab und zu. Ansonsten passt er auf, dass er alles richtig macht.
Denn wenn es Abend wird, so möchte er noch auf 2 weitere Felder.
Endlich ist es ja Abends länger hell und er kann mehr machen. So hat
er es mir erzählt. Er scheint getrieben von innerer Unruhe.
Das ist Litha! Litha
ist nicht nur Mittsommer sondern auch eine Zeit in der die Sonne uns
vorgaukelt, dass die Kraft und die Power unermässlich sind. Zu
schnell können wir unser Gemüt aber in dieser (inneren) Hitze
versengen. Ein Ausgleich muss her.
Ich fragte einen
sehr lieben Freund (absolut kein Träumer und bekennender Realist),
was für ihn Balance sei. Seine Antwort kam klar und deutlich:
„Balance heißt
ausgeglichen im Gleichgewicht zu sein. Wenn etwas in Balance ist, ist
es ausgeglichen. Beispielsweise lässt sich negativer Stress ein
Stück weit mit positivem Stress (z.B Sport) kompensieren.“
Ich fragte dann,
woran er erkennt, dass er nicht mehr in der Balance ist.
Seine Antwort:
„Im positiven ist
man überdreht. Das merkt man selber sicher eher nicht so. Aber dafür
sein Umfeld. Wenn man ins negative Abdriftet, fühlt man sich am
Boden (depressive Grundstimmung).“
Die Aussage dieses
(im übrigen sehr lieben Freundes von uns) Realisten erinnerte mich
an eine Aussage Friedrich Schillers: Suche nach Ruhe! Aber durch das
Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand Deiner Tätigkeit!
Dann stellte ich
seine Aussage einer Aussage der Indianer entgegen, die ich aus einem
Buch habe, welches mir ein sehr naher Mensch geschenkt hat. (Danke
Ishi!!!)
Etwas
grundsätzliches unterscheidet Indianisches Denken und Indianische
Lebenshaltung von unserem Denken und unserer Einstellung zum Leben.
Während für uns der Mensch der „Herr der Schöpfung“ ist, fühlt
sich der Indianer als Teil der Erde. Führ ihn lebt die Schöpfung,
sei es nun Erde, Wasser, Stein Pflanze, Tier oder Mensch. Deshalb ist
das Verständnis der Indianer zur Schöpfung von einem Respekt
bestimmt, den wir nicht (mehr) besitzen.
Die Aussage aus dem
Buch war folgende:
„Wir müssen von
Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unn unsere Seelen
wieder eingeholt haben. Nimm Dir Zeit den Himmel zu betrachten, suche
Gestalten in den Wolken. Höhre das Wehen des Windes und berühre das
kalte Wasser. Gehe mit leisen behutsamen Schritten…
Damals in alten
Tagen brauchten wir die Zeit nicht. Wir richteten uns nach Anfang und
Untergang der Sonne. Wir mussten uns niemals beeilen. Wir brauchten
nie auf die Uhr zu blicken. Wir mussten nie zu einer bestimmten Zeit
bei unserer Arbeit sein. Wir taten was getan werden musste wenn uns
danach war. Aber wir achteten darauf, es zu tun, bevor der Tag zu
Ende ging. Wir hatten mehr Zeit! Denn der Tag war noch ganz!
(Scott Eagle)
Stelle ich diese
beiden Aussagen jetzt gegenüber sind sie sich gar nicht so
unähnlich. Beide wissen darum, dass alles in Balance bleiben muss.
Körper Geist und Seele. Die Kogi Krieger (Hüter der Erde haben
sogar spezielle Höhlen dafür. Orte an denen der Körper wieder zu
seinem Geiste und in seine Seele finden kann. Wie wunderbar!
Litha naht! Und mit
diesem Fest auch das Gefühl, dass wir immer mehr immer weiter immer
schneller und immer länger funktionieren müssen… Das ist die
feurige Sonne des Sommers.
Aber wir sollten
nicht vergessen, dass wir nicht nur mit der Sonne leben können. Wir
brauchen auch die Abkühlung des Flusses, der Meere und der
Regentropfen. Wir brauchen Balance und Ausgleich. Litha lehrt uns
dieses Prinzip der Ausgeglichenheit und Ausgewogenheit.
Bitte schaut an
Litha einmal, ob ihr noch in eurem ganz persönlichen Gleichgewicht
seid. Wo habt ihr euren Geist und eure Seele vergessen? Seid ihr
vielleicht auf der Überhohlspur und eure Seele hinkt träumend ein
paar Kilometer hinter euch und wünscht sich, dass ihr innehaltet und
wartet?
Was lehrt Litha euch
über eure persönliche Ausgewogenheit?
Blessed be!
