Waldgeflüster

Dienstag, 15. Mai 2018

Litha 2018 - Balance - das lehrt uns Litha


Litha lehrt uns das Prinzip der Ausgewogenheit

Auslöser war ein Trachtenstück aus vergangener Zeit. Meine Oma war zum traditionellen Erbsensuppen essen an Himmelfahrt zu besuch und ich zeigte ihr meinen neuen Schatz. Eine Erntehaube. Ein Geschenk von einer sehr lieben älteren Dame.
Die Augen meiner Oma wurden feucht und funkelten zugleich. „Dat is ja ne Flutterkapp“ sprach sie in ihrem Plattdeutsch. Dann erklärte sie mir ganz genau, wofür diese gebraucht wurde. Gegen die starke Sonne an den Erntetagen auf den Feldern. Dann kam der Satz, der natürlich kommen musste- ohja, wir alle kennen ihn und können ihn auch Nachts runterbeten wenn wir geweckt werden. „Früher war alles besser!“
Ich sah sie an und fragte: „Warum?“
Ohne nachzudenken sagte meine Oma: „Doar hebt de Löö noch metmekaa proat‘vandage geht alles automatisch. Man döt sein Wark und dat was‘t. Doar kans ja blos bij kapott goahn“. (Übersetzung: Da haben die Leute noch miteinander gesprochen. Heute geht alles automatisch. Jeder macht seine Arbeit und das war es. Da kann man ja nur bei Kaputt gehen!)
Ich dachte noch lange über ihre Worte nach und sie hat Recht.
So oft hat sie mir von der Ernte damals erzählt. Sie war ein richtig hartes Stück arbeit aber auch gesellig und schön. Es wurde schön gemacht. Mit Liedern die während des Heu wendens gesungen wurden oder den schönen Abenden mit „Trekkebühl“ (Akkordeon). Harte Realität und Arbeit und wunderschöne ausgleichende Aktivitäten darin. Balance…
Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich im Moment tatsächlich einen Bauern der sein Feld bestellt. Er fährt den neusten Trecker. Top modern. Auch wenn ich ein Bauernkind bin, kenne ich das Gefährt welches er hinten dran hat nicht einmal. Es scheint eine Mischung aus Pflug und Ausstreuer zu sein. Was auch immer. Beängstigendes Monster :) Der Bauer sitzt auf seinem Trecker. 6 Stunden lang. Er fährt und hat sein Handy am Ohr. Ab und zu. Ansonsten passt er auf, dass er alles richtig macht. Denn wenn es Abend wird, so möchte er noch auf 2 weitere Felder. Endlich ist es ja Abends länger hell und er kann mehr machen. So hat er es mir erzählt. Er scheint getrieben von innerer Unruhe.
Das ist Litha! Litha ist nicht nur Mittsommer sondern auch eine Zeit in der die Sonne uns vorgaukelt, dass die Kraft und die Power unermässlich sind. Zu schnell können wir unser Gemüt aber in dieser (inneren) Hitze versengen. Ein Ausgleich muss her.
Ich fragte einen sehr lieben Freund (absolut kein Träumer und bekennender Realist), was für ihn Balance sei. Seine Antwort kam klar und deutlich:
„Balance heißt ausgeglichen im Gleichgewicht zu sein. Wenn etwas in Balance ist, ist es ausgeglichen. Beispielsweise lässt sich negativer Stress ein Stück weit mit positivem Stress (z.B Sport) kompensieren.“
Ich fragte dann, woran er erkennt, dass er nicht mehr in der Balance ist.
Seine Antwort:
„Im positiven ist man überdreht. Das merkt man selber sicher eher nicht so. Aber dafür sein Umfeld. Wenn man ins negative Abdriftet, fühlt man sich am Boden (depressive Grundstimmung).“

Die Aussage dieses (im übrigen sehr lieben Freundes von uns) Realisten erinnerte mich an eine Aussage Friedrich Schillers: Suche nach Ruhe! Aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand Deiner Tätigkeit!
Dann stellte ich seine Aussage einer Aussage der Indianer entgegen, die ich aus einem Buch habe, welches mir ein sehr naher Mensch geschenkt hat. (Danke Ishi!!!)
Etwas grundsätzliches unterscheidet Indianisches Denken und Indianische Lebenshaltung von unserem Denken und unserer Einstellung zum Leben. Während für uns der Mensch der „Herr der Schöpfung“ ist, fühlt sich der Indianer als Teil der Erde. Führ ihn lebt die Schöpfung, sei es nun Erde, Wasser, Stein Pflanze, Tier oder Mensch. Deshalb ist das Verständnis der Indianer zur Schöpfung von einem Respekt bestimmt, den wir nicht (mehr) besitzen.
Die Aussage aus dem Buch war folgende:
„Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unn unsere Seelen wieder eingeholt haben. Nimm Dir Zeit den Himmel zu betrachten, suche Gestalten in den Wolken. Höhre das Wehen des Windes und berühre das kalte Wasser. Gehe mit leisen behutsamen Schritten…
Damals in alten Tagen brauchten wir die Zeit nicht. Wir richteten uns nach Anfang und Untergang der Sonne. Wir mussten uns niemals beeilen. Wir brauchten nie auf die Uhr zu blicken. Wir mussten nie zu einer bestimmten Zeit bei unserer Arbeit sein. Wir taten was getan werden musste wenn uns danach war. Aber wir achteten darauf, es zu tun, bevor der Tag zu Ende ging. Wir hatten mehr Zeit! Denn der Tag war noch ganz!
(Scott Eagle)

Stelle ich diese beiden Aussagen jetzt gegenüber sind sie sich gar nicht so unähnlich. Beide wissen darum, dass alles in Balance bleiben muss. Körper Geist und Seele. Die Kogi Krieger (Hüter der Erde haben sogar spezielle Höhlen dafür. Orte an denen der Körper wieder zu seinem Geiste und in seine Seele finden kann. Wie wunderbar!

Litha naht! Und mit diesem Fest auch das Gefühl, dass wir immer mehr immer weiter immer schneller und immer länger funktionieren müssen… Das ist die feurige Sonne des Sommers.
Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir nicht nur mit der Sonne leben können. Wir brauchen auch die Abkühlung des Flusses, der Meere und der Regentropfen. Wir brauchen Balance und Ausgleich. Litha lehrt uns dieses Prinzip der Ausgeglichenheit und Ausgewogenheit.

Bitte schaut an Litha einmal, ob ihr noch in eurem ganz persönlichen Gleichgewicht seid. Wo habt ihr euren Geist und eure Seele vergessen? Seid ihr vielleicht auf der Überhohlspur und eure Seele hinkt träumend ein paar Kilometer hinter euch und wünscht sich, dass ihr innehaltet und wartet?

Was lehrt Litha euch über eure persönliche Ausgewogenheit?

Blessed be!