Waldgeflüster

Freitag, 8. Dezember 2017

Anklopfnächte - Bräuche zu Yule

 
Knock, Knock...I put a spell on you....
oder doch nicht?


Immer wieder werden wir gefragt, was es denn alles für schöne Bräuche zur Yule- Zeit gibt. Heute möchten wir euch einen Süddeutschen Brauch vorstellen. Die Anklopfnächte oder auch das "Anklöpfeln". Heute ist der erste von den drei Donnerstagen vor Yule. Dieser Brauch wird an den 3 Donnerstagen zelebriert. 
Wie bei so vielen Bräuchen, lassen sich auch hier die genauen Anfänge nicht feststellen. Bereits 1450 sprechen Aufzeichnungen von Klöpfelnächten und es finden sich Belege, die andere glückbringende Praktiken an den Donnerstagnächten vor Weihnachten überflüssig machen. So lesen wir:

An den dreyen donnerstagnächten, die da sind nächst vor Weihnachten, bedarfst du nicht umb den prunnen geen und den habern und leyn saen. Als man dann pflegt zu der zeit als es das gluck geytt, sunder dir wider fertt glückes genug.“ Sebastian Frank berichtet 1534 im „Weltbuch“ von Lohn für das Glückwünschen. Die „maydlin und knabenverkündeten von Haus zu Haus gehend von der bevorstehenden Geburt des Herrn und wünschten ein „glückseliges jar“.

Dafür erhielten sie „öpfel, birnen, nusß und auch Pfennig zu Jar. Über die Jahrhunderte erlebte der Brauch auf Auf und Nieder, ein Für und Wider. Um 1600 zu lesen in einem Bapistenbuech: „Das Advent 3 Wochen vor dem neuen Jahr oder dem Geburtstag Christ soll Petrus aufgesetzt haben, dass man sich darinn uff die Zukunft Christi bereiten soll. Diese drei Donnerstag ist an viel Örtern der Brauch, das die Kind in der Statt herumgehen und an die Häuser klopfen; den gibt man Nuß, Äpfel, Birnen und Lebkuchen. Diese Necht helt man für scheulich und verworfen tag, förcht sich vor Gespennst, Unholden, Hexen und Drutten.“ Das protestantische Augsburg verbietet „bey ernstlicher Straffe“ das Anklopfen. In nicht protestantischen Gebieten lebte der Brauch jedoch weiter und uferte teilweise wegen grober Sachbeschädigungen des „Anklopfens“ in Schlägereien aus. Mit Kieselsteinen beworfene Fensterscheiben gingen zu Bruch, der Lärm und das Geschrei versetzte die Menschen in den Häusern in Angst und Schrecken. Wahrscheinlich gab es nebeneinander zwei Brauchformen: ein ursprünglicheres, wilderes, nachsichtig geduldetes Anklöpfeln der Erwachsenen und eine verharmloste, verniedlichte, sogar unterstützte  Form als Kinderbrauch. Als fester Begriff stand die Klöpfelsnacht mittlerweile im Kalender und sogar eine Münchner Hofhaltsrechnung von Herzog Albrecht VI. von 1630 nennt um den 20. Dezember eine Anklopfnacht.

Der Brauch zeigt zwei Gesichter: Das freundschaftliche Anklopfen mit Segenswünsche und Gaben der Fruchtbarkeit und das bösartige mit Verwünschungen und Steinwürfen.

Und auch in der magischen Hexenwelt ist dieser Brauch zwar abgewandelt bekannt, aber er ist bekannt. Und zwar so bekannt, dass in manchen Jahren dieser Brauch sogar verboten wurde. Zu groß war die Angst vor Hexen und anderen Wesen. Aber diese Zeiten sind ja bekanntlich schon lange vorbei und so treffen wir Hexen uns in dieser Zeit an den Feuern und Orakeln was das Zeug hält.
Es geht stramm auf die Rauhnächte zu und wie ihr ja schon wisst, sind die Rauhnächte die perfekten Orakelnächte. Und so treffen wir uns auch im Kreise der Hexen an den 3 Donnerstagen vor Yule und Orakeln und legen Karten, werfen Runen und Knochen und sagen allerhand voraus. Sicherlich gab es in früheren Zeiten auch Damen, die diese Nächte als persönlichen Rachefeldzug nutzten und einen Fluch auf ein Haus legten. Aber nur noch einmal zur Vollständigkeit halber… so arbeiten keine guten Hexen! Die Rauhnächte und auch die Orakelnächte dienen nicht dazu, Schabernack zu treiben. Wir Hexen begleiten euch durch diese Nächte und zeigen euch Wege die das neue Jahr für euch bereithält. Wir bringen euch zurück auf eure ganz eigenen Wege und zeigen euch Pfade in euren Herzen die ihr bereits vergessen habt.
Damals wie heute klopfte und klopft es in diesen Nächten weit hörbar an den Türen der Hexenhäuser…

“„Klopf, Klopf …“ und so ziehen Kinder heute noch von Haus zu Haus in der spannenden, kalten, stockdunklen Winternacht auf der Suche nach etwas Glück. Ob diese jetzt in Antworten für das neue Jahr liegt oder einfach in einer schönen Mandarine oder anderen Süßigkeit, … das bleibt jedem selbst überlassen.