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| Eine Steckrübenlaterne |
Spürt
ihr es auch? Samhain naht. Die Tage werden dunkler und die
Nebelschwaden schweben gespenstisch durch die Landschaft. Bald ist
auch schon wieder die Zeit in der Kinder mit Laternen durch die
Straßen ziehen. Jetzt sagt ihr vermutlich, dass St. Martin doch erst
im November ist und mit Samhain gar nichts zu tun hat? Zum Teil liegt
ihr hier richtig.
Ich
habe mich in den letzten Tagen an ein Kinderlied erinnert, welches in
meiner Heimat zu Laterne immer gesungen wurde:
Sünne
Mattmann
Sünne Mattmanns Vögeltien
met sien road, road Kögeltien,
met sien road, road Röckien an,
doar kummt Sünne Mattmann an.
Loat ouns hier nich länger stoan,
wij möt' van Oawend noch noa Münster goan.
Münster lieg soa wiet vandann,
wo wij van Oavend nich meer kummen kann.
Hier wount eene rieke Mann,
de uns völle gewen kann,
völle kann he gewen
lange sall he lewen.
Äppelties gewen, Kökies gewen,
lange, lange lewen.
Als
Kind dachte ich immer, es geht um einen Mann der nach Münster reisen
will, um am Laterne Abend einen reichen Mann zu besuchen der ihm viel
geben wird. Ihr kennt ja sicherlich auch den Brauch, dass man am
Laterne Abend von Haus zu Haus zieht und Süßes erhält. Heutzutage
gehen die Kinder auch schon an Helloween von Tür zu Tür und fordern
„Süßes oder Saures“. Ein Amerikanischer Brauch, so dachte auch
ich.
Das
es aber durchaus auch Geschichten dieser Art bei uns hier gibt, das
wusste ich nicht. Sünne Mattmann ist so eine. Ich dachte als Kind
immer, dass das Wort „Sünne“ von „Söhne“ abgeleitet würde.
Ein Fehler. Das Wort Sünne bedeutet nichts anderes als Sünder.
(Oder Sonne, das aber in einem anderen Zusammenhang). Das „road
road Kögeltien“ konnte ich mir nicht erklären. Heute weiß ich,
dass das Kögeltien die Laterne ist. Aber warum rot? Zur Hilfe kam
mir da tatsächlich ein Samhain Brauch der auch in meiner alten
Heimat ausgeführt wurde. Das aushöhlen roter Steckrüben um dort
Kerzen hineinzustellen um den Heimkehrenden Seelen den Weg zu weisen.
Bei
weiteren Recherchen stieß ich darauf, dass es in dem Lied um
folgendes geht:
Ein
Selbstmörder (Sünder Mattmann- ein verrückter Vogel) darf (wie
alle anderen Sünder im Fegefeuer) in der Nacht zu Allerheiligen und
Allerseelen aus dem Fegefeuer heraus und sich von den Qualen erholen.
Er war verrückt und suchte Leute auf. So kommt er auch in dieser
Nacht mit seiner roten Steckrübenlaterne in einem roten Hemd (die
Farbe der ausgestoßenen) und geht den Weg um in Münster Angehörige
seiner Familie aufzusuchen und heimzusuchen. Damit einem selbst
nichts passiert, sollte sich der eigene Weg mit diesem Sünder
kreuzen, so soll man ihm etwas geben. Äpfel oder Küchlein.
(Äppelties gewen, Kökies gewen, lange lange lewen.). Früher war es
üblich, dass man Opfergaben hinaus stellte, damit die armen Seelen
etwas Proviant auf ihrem Weg zurück ins Fegefeuer mitnehmen konnten.
Puh!
Wenn ich jetzt zurückdenke, wie ich als 5 Jährige mit meiner
Laterne ganz fröhlich dieses Lied gesungen- nein geschmettert habe,
dann wird mir ganz anders. In meiner alten Heimat ist das Lied ein
förmlicher Gassenhauer! Ich bin mir sicher, dass niemand mehr genau
weiß, um was es genau geht. Irgendwie erschreckend nicht wahr? Und
irgendwie auch wieder nicht. Denn wie sonst, konnte sich ein
Samhain-Brauchtumslied sonst so lange erhalten?
In
diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Einstimmung auf Samhain!
Blessed
be!


