Waldgeflüster

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Samhain – Ein Lied aus meiner Kindheit Zeiten


Eine Steckrübenlaterne


Spürt ihr es auch? Samhain naht. Die Tage werden dunkler und die Nebelschwaden schweben gespenstisch durch die Landschaft. Bald ist auch schon wieder die Zeit in der Kinder mit Laternen durch die Straßen ziehen. Jetzt sagt ihr vermutlich, dass St. Martin doch erst im November ist und mit Samhain gar nichts zu tun hat? Zum Teil liegt ihr hier richtig.
Ich habe mich in den letzten Tagen an ein Kinderlied erinnert, welches in meiner Heimat zu Laterne immer gesungen wurde:

Sünne Mattmann
Sünne Mattmanns Vögeltien
met sien road, road Kögeltien,
met sien road, road Röckien an,
doar kummt Sünne Mattmann an.
Loat ouns hier nich länger stoan,
wij möt' van Oawend noch noa Münster goan.
Münster lieg soa wiet vandann,
wo wij van Oavend nich meer kummen kann.
Hier wount eene rieke Mann,
de uns völle gewen kann,
völle kann he gewen
lange sall he lewen.
Äppelties gewen, Kökies gewen,
lange, lange lewen.


Als Kind dachte ich immer, es geht um einen Mann der nach Münster reisen will, um am Laterne Abend einen reichen Mann zu besuchen der ihm viel geben wird. Ihr kennt ja sicherlich auch den Brauch, dass man am Laterne Abend von Haus zu Haus zieht und Süßes erhält. Heutzutage gehen die Kinder auch schon an Helloween von Tür zu Tür und fordern „Süßes oder Saures“. Ein Amerikanischer Brauch, so dachte auch ich.
Das es aber durchaus auch Geschichten dieser Art bei uns hier gibt, das wusste ich nicht. Sünne Mattmann ist so eine. Ich dachte als Kind immer, dass das Wort „Sünne“ von „Söhne“ abgeleitet würde. Ein Fehler. Das Wort Sünne bedeutet nichts anderes als Sünder. (Oder Sonne, das aber in einem anderen Zusammenhang). Das „road road Kögeltien“ konnte ich mir nicht erklären. Heute weiß ich, dass das Kögeltien die Laterne ist. Aber warum rot? Zur Hilfe kam mir da tatsächlich ein Samhain Brauch der auch in meiner alten Heimat ausgeführt wurde. Das aushöhlen roter Steckrüben um dort Kerzen hineinzustellen um den Heimkehrenden Seelen den Weg zu weisen.

Bei weiteren Recherchen stieß ich darauf, dass es in dem Lied um folgendes geht:
Ein Selbstmörder (Sünder Mattmann- ein verrückter Vogel) darf (wie alle anderen Sünder im Fegefeuer) in der Nacht zu Allerheiligen und Allerseelen aus dem Fegefeuer heraus und sich von den Qualen erholen. Er war verrückt und suchte Leute auf. So kommt er auch in dieser Nacht mit seiner roten Steckrübenlaterne in einem roten Hemd (die Farbe der ausgestoßenen) und geht den Weg um in Münster Angehörige seiner Familie aufzusuchen und heimzusuchen. Damit einem selbst nichts passiert, sollte sich der eigene Weg mit diesem Sünder kreuzen, so soll man ihm etwas geben. Äpfel oder Küchlein. (Äppelties gewen, Kökies gewen, lange lange lewen.). Früher war es üblich, dass man Opfergaben hinaus stellte, damit die armen Seelen etwas Proviant auf ihrem Weg zurück ins Fegefeuer mitnehmen konnten.

Puh! Wenn ich jetzt zurückdenke, wie ich als 5 Jährige mit meiner Laterne ganz fröhlich dieses Lied gesungen- nein geschmettert habe, dann wird mir ganz anders. In meiner alten Heimat ist das Lied ein förmlicher Gassenhauer! Ich bin mir sicher, dass niemand mehr genau weiß, um was es genau geht. Irgendwie erschreckend nicht wahr? Und irgendwie auch wieder nicht. Denn wie sonst, konnte sich ein Samhain-Brauchtumslied sonst so lange erhalten?

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne Einstimmung auf Samhain!

Blessed be!