Ohweh! Jetzt haben
wir doch glatt alles verschlafen… Yule, das neue Jahr einfach
alles. Es ist ja schon wieder mitten im Januar. Aber so ist das eben,
wenn der alte Druide und seine Hexe sich zum Winterschlaf in ihren
Traumreich- Wald zurückziehen. Aber macht euch keine Sorgen, uns
geht es sehr gut. Wir genießen die Zeit in unserem dunklen Wald.
Aber so dunkel ist er gar nicht mehr. Fällt euch auf, dass die Tage
jetzt jeden Tag schon wieder länger werden? Seit der
Wintersonnenwende ist die Helligkeit schon wieder 22 Minuten länger
jeden Tag bei uns. So schnell geht das.
Nun, ihr habt mich
wissen lassen, dass ihr traurig darüber seid, dass ich euch keine
Geschichte zum neuen Jahr erzählt habe. Das tut mir von ganzem
Herzen leid. Die alte Hexe hat einfach geschlafen. Aber ich habe
heute etwas ganz schönes für euch. Denn natürlich kennen wir Hexen
auch Feste, die fast vergessen sind und die nur noch von ganz
wenigen Leuten gefeiert werden. Und genau so ein Fest wird bald
gefeiert. Auch bei uns im Traumreich-Wald.
Wusstet ihr, dass
die Druiden auch eine Art „Weihnachten“ feiern? Jetzt sagt ihr
bestimmt, dass sie das doch bestimmt schon gefeiert haben,… aber
das ist nicht richtig. Sie feiern es noch.
Um euch von diesem
Fest zu erzählen, muss ich ein wenig ausholen.
Ich habe durch meine
Eulen erfahren, dass letzte Woche wieder Sternsinger unterwegs waren.
Ihr wisst schon. Kinder als die drei heiligen aus dem Morgenland
verkleidet die euch gute Wünsche für das neue Jahr bringen und mit
ihren Kürzeln eure Häuser segnen. Wusstet ihr denn, dass dieser
Brauch gar kein Christlicher ist? Nein? Dann war meine Vermutung
richtig und euch wird meine Geschichte (die eigentlich eine wahre
Tatsache ist) gefallen. :)
Der Brauch ist
viiiiel älter als das Christentum. Aber Häuser mit Kreide
anzumalen, das kannten die Menschen damals noch nicht. Der Brauch
hieß auch nicht immer Sternensingen, sondern „Wassail“. Es
handelt sich hier um einen sehr alten überlieferten Brauch der
Baum-Segnungen. Das Wort „Wassail“ kommt aus dem Alt Englischen
für „waes hael“ was so viel bedeutet wie „bleib gesund“.
Googelt ihr danach, werdet ihr schnell fündig, dass auch ein Getränk
aus Cider so genannt wird. Und auch dieses Getränk spielt bei
unserem Segen eine wichtige Rolle.
„Wassail“ wird
traditionell in der „12. Nacht“ gefeiert. Viele feiern das
Wassail daher schon am 6. Januar. Nach altem Kalender am 17. Januar.
Es ist das erste keltische Fest im Jahr. Allerdings ein nur noch
wenig bekanntes. Das muss man zugeben. Es ist die Zeit, wenn der an
Mitwinter geborene Gott ein junger Mann wird und die Göttin wieder
zum jungen Mädchen wird. Eine Zeit des Wachsens und Werdens. Eine
Zeit, in der vieles erwacht und wieder in seine Kraft kommt. Auch die
Natur.
Die Arbeit mit
Bäumen und der Natur im allgemeinen war schon seit jeher wichtiges
Augenmerk der Druiden. Und so kam es auch, dass die Druiden in der
heiligen 12. Nacht in die Wälder und auf die Wiesen zogen und die
Bäume sanft aufweckten und sie segneten. Gerade die Apfelbäume
lagen hier in ihrem besonderen Augenmerk. So kommt es auch, dass noch
heute vornehmend die „Orchards“ also die kleinen Ansammlungen von
Obstbäumen gesegnet werden. Warum ausgerechnet die Apfelbäume? Das
fragt ihr euch? Nun, die Antwort ist einfach. Neben der Eiche ist der
Apfelbaum einer der wichtigsten und magischsten Bäume der Druiden.
Wenn ihr mit offenen Augen durch die Natur geht, dann erkennt ihr
sehr viele Misteln an den Apfelbäumen. Sie sind magische Bäume.
Denkt mal an Merlins Insel oder Avalon. Beides sind „Apfelinseln“.
Der Apfel ist Sinnbild für das Leben. Auch für unser eigenes. Die
Bäume, die Lebensspender, gelten daher als Heilig.
Und so kommt es,
dass die Druiden damals (wie heute) auszogen, und ihre Bäume
besuchten. (kommen daher die Neujahrsbesuche die im Norden
Deutschlands noch immer fester Brauch sind? Man besucht sich und
wünscht sich alles Gute für das neue Jahr). Der älteste Baum wird
aufgesucht und zum Hüter der anderen Apfelbäume ernannt. Er ist ab
sofort der neue „Holy Tree“ im Orchard. Ihm werden Lieder
gesungen und es wird um ihn herum getanzt.
In dieser Nacht- am
17. Januar gehen also die Druiden in die Wälder oder auf die Felder
und wecken die Bäume sanft auf. (In Bayern machen die Bauern das
übrigens an Lichtmess- Imbolc). Sie wünschen ihnen viel Kraft für
eine gute Ernte und beten für sie. Bitten um Segen. Der letzte Apfel
der letzten Ernte hängt dabei immer noch am Baum, denn es brachte
Unglück diesen abzunehmen. Es war die erste Gabe und Rückzugsort
für den neuen „Holy green Men“. Viele der Druiden bringen auch
Cider in weißen Ahornschalen (den traditionellen Wassail-Bowls“)
mit und gießen damit die Erde. Sie geben der Natur ein wenig davon
zurück, was sie über den Winter gebracht hat. Sie teilen ihre Kraft
mit Mutter Erde und machen sich so klar, dass nur eine gute Ernte
auch Leben bringt. In so vielerlei Hinsicht.
Ich möchte euch
heute den Text dieses Segens beibringen. Vielleicht habt ihr auch
Lust auf alten Spuren zu gehen und am 17. Januar hinaus zu den Bäumen
zu gehen um die Bäume sanft aufzuwecken und für sie Beten und um
Segen bitten. Wenn ihr das ganze Ritual haben möchtet, dann schickt
mir einfach eure Eule zu mir und ich werde es ihr gerne für euch
mitgeben. (E-Mail).
„Liebe und
Freude mögen zu euch kommen,
und auch zu eurer
Segnung;
Und die Götter
mögen euch segnen
und euch durch ein
neues Jahr begleiten.
Guter Herr und
gute Herrin,
während ihr am
Feuer sitzt,
denkt bitte an
eure Kinder- die Bäume
und an das, was
sie hervorbringen.
Blessed be,
Blessed be, Blessed be! „
Dieses Lied gibt es
in verschiedenen Varianten. Ich habe hier das genommen, welches wir
von unserem Druiden-Orden bekommen haben :)
Übrigens sagt man,
dass die Druiden in dieser Nacht mit ihren Klingen der Sicheln gegen
die noch übrigen Misteln geschlagen haben – ganz behutsam
natürlich. Es soll dann ein Ton zu hören sein, der wahrlich magisch
ist und euch in Trance bringen kann. :)
Wir wünschen euch
eine magische „Wassail-Nacht“



