Ja, jetzt ist es
fast schon wieder Zeit Abschied zu nehmen.
Abschied von der
ersten Jahreshälfte. Litha rückt mit großen Schritten näher und
die ersten warmen Sommertage liegen hinter uns. Ich weiß nicht, wie
es euch geht, aber ich genieße es im Moment sehr, Abends noch lange
vor unserem Hexenhäuschen zu sitzen und den Waldbewohnern zuzuhören.
Ich liebe die langen hellen Abende.
Am 21. Juni soll dann alles schon
wieder vorbei sein. Die Helle Jahreszeit ist dann vorbei. Verrückt
oder? Bedenkt man, dass dann die richtigen warmen Tage noch gar nicht
da waren. In Schweden geht übrigens in dieser Nacht die Sonne gar
nicht unter. Und wir reden von Abschied und Ankommen in der dunklen
Jahreszeit.
Mitten im Leben
sollen wir schon wieder an Vergänglichkeit denken. Der Sommer gibt
doch zu diesem Zeitpunkt noch einmal richtig Gas. Es muss ja erst
noch richtig Sommer werden, ja so denken bestimmt einige von euch.
Der Sommer wird kommen. Aber nur, um den Gräsern, Feldern und Blüten
noch einmal richtig Kraft zu geben, bevor sie dann geerntet werden
und doch wieder vergehen.
An Litha werden
überall viele Sonnwendfeuer angezündet. Diese sollen die
schwindende Lichtkraft der Sonne unterstützen. So ist es schon seit
vielen Hunderten von Jahren Brauch. Die Pflanzen, Tiere und Menschen
sollen noch einmal einen Wachstumsschub bekommen. Sich stärken. Denn
sie sind es, die uns über den nächsten Winter bringen sollen. Die
Menschen feiern dieses Fest und gleichzeitig bereiten sie sich auf
die harte bevorstehende Erntezeit vor.
Alles was wir gesät
haben, ist über das Jahr mit uns gewachsen und wird jetzt prall und
reifer. Aber es kommen keine neuen Früchte mehr hinzu. Jetzt beginnt
das große Aussortieren. Was soll und kann und wird zur Vollendung
kommen?
Ich erkläre das
immer gerne anhand von unseren Erdbeersträuchern. Nur die Erdbeeren
die sich die beste Position gesucht haben, haben genügend Kraft um
größer zu werden, reifer zu werden. Die anderen Früchte fallen
vorzeitig ab und dienen so den Tieren zur Nahrung. Nichts geschieht
ohne Grund.
Und selbst die
Früchte die vorzeitig abfallen, haben ihre Aufgabe und ihren Sinn.
Alles hat Sinn im Rad des Jahres. Alles hat eine Aufgabe im Schoß
von Mutter Natur.
Das erinnert mich
wieder an das hier und jetzt. In letzter Zeit erlebe ich immer mehr,
dass die Menschen in meinem Umfeld Unzufrieden sind. Fast schon
unruhig. Sie suchen sich selbst, ihre Aufgabe, ihre Zukunft. Sie
haben im Winter oder Frühjahr Neues gesät und über einen Zeitraum beobachtet. Doch ist
das, was sie gesät haben wirklich noch das, was sie ernten möchten?
Oder sind es die Früchte, die sie zwar gesät haben, aber die nicht
die Kraft hatten reif und bis zur Vollendung zu wachsen? Sind es Gedanken aus denen sie bereits rausgewachsen sind?
Bei einem lieben
Menschen in meinem Umfeld ist es im Moment besonders hart. Er war
sich so sicher, dass er das, was er gesät hat auch wirklich will.
Mit der Zeit beobachtete er sich, seine Gedanken und Gefühle und es
wurde klar, dass der Wunsch diese „Frucht“ zu säen nur eine
Momentaufnahme war. Für ihn ist diese Frucht jetzt nur noch Ballast.
Er spürt, dass sie nicht die Kraft hat weiter zu wachsen und groß
zu werden. Er hat innerlich schon lange gespürt, dass sie gar nicht
dafür bestimmt ist, geerntet zu werden. Aber fallen lassen möchte
er sie auch noch nicht. Was bleibt ihm also übrig?
Gar nichts! Und es ist gut so, wie es ist. Die Frucht wird weiter wachsen. Und entweder wird er sie ernten, oder sie fällt als Futter für die Tiere auf den Boden... Was hier hilft
ist Zeit.
Die Zeit bis Litha solltet ihr dazu nutzen, um diese Frucht weiter zu
beobachten. Ist es das, was ich will? Ist die Frucht meine Ernte?
Oder lasse ich sie abfallen und gebe ihr somit die Chance als Nahrung
für andere zu dienen?
Der Mensch in diesem
Falle fühlt sich als Versager und bürdet sich einen ungeheuren
Druck auf. Er ist der Meinung, dass er nur diese eine Chance hat, zu
säen und zu ernten. Er glaubt, dass er keinen Fehler machen darf,... dass alles von dieser einen Entscheidung abhängt. Aber so funktioniert Mutter Erde nicht. Sie
erlaubt Versuche. Sie erlaubt es, dass man sich umentscheiden kann,
wenn man spürt, dass es so nichts wird. Mutter Erde ist gütig. Und
sie hat Geduld... mit der Natur und allem was in ihr wächst und mit
den Menschen die anbauen und säen. Bei ihr gibt es keine Vergeudete
Frucht. Denn alles was losgelassen wird, hat eine Verwendung. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, es gibt nicht nur die EINE richtige Entscheidung. Es gibt Nuancen. Und so wie die Sonne auch mehrere Wochen braucht um sich in den Winter zu verwandeln, so darf auch die eigene Entscheidung Zeit benötigen und wird auch viele Nuancen durchleben.
Ich wünsche mir,
dass die Menschen in meinem Umfeld erkennen, dass sie zwar vor
Entscheidungen stehen, dass aber keine Entscheidung so hart ist, dass
sie nicht im Zweifelsfall neu angefangen werden kann und sie es
einfach nur weiter versuchen können. Wieder und wieder und wieder...
bis sie ihre Ernte, bis sie ihren gewünschten Erfolg einfahren
können. Die Felder werden geerntet um dann neu bestellt zu werden... es braucht alles seine Zeit...
Das Sonnwendfeuer
möge euch die nötige Wärme und die Kraft geben loszulassen und zu
erkennen, welche Früchte ihr wirklich ernten möchtet... und über
welche sich die Tiere im Wald als Nahrung freuen könnten...
Was wollt ihr wirklich?
Ich wünsche euch
ein wunderschönes Litha. Den Duft vom Johanniskraut, tanzend ums
Sonnenwendfeuer,... klärend für euch!
Es ist die Zeit
Abschied zu nehmen,... Das Jahr neigt sich der Dunkelheit zu. Die
Nächte werden länger. Lasst nicht zu, dass euch zusätzliches
Bedrückt und euch in eine Dunkelheit hüllt, die nicht eure ist.
Es ist Zeit!
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| Sonnwendfeuer mit Johanniskraut |

