Früher, ja früher
war alles anders! Wer kennt ihn nicht? Diesen einen Satz? Manchmal
wird er auch umgemodelt und man sagt, dass früher alles besser war.
Ich glaube, jeder von uns hat diesen Satz schon einmal gehört. Auch
ich habe diesen Satz schon sehr oft gehört. Natürlich! Aber jetzt
habe ich ihn in einer anderen Form hören dürfen, und er hat mich
zum Nachdenken gebracht. Meine Oma sagte neulich ganz
Gedankenverloren:
„Die Arbeit war
damals viel mehr, aber wir waren nicht so gestresst wie die Menschen
heute...“
Ich dachte nach. Sie
lebte seit jeher auf einem Bauernhof und hat oft davon erzählt, wie
ihr Leben und das Leben meiner Uroma abgelaufen ist. Jetzt ist die
Winterzeit. Der Januar war früher voller Arbeit. Neben dem Vieh,
welches täglich auf dem Hof versorgt werden wollte, wurde zu dieser
Zeit das Holz aus dem Hochwald geholt werden. Die Arbeitsgeräte
mussten wieder instand gesetzt
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| Die Ernte wurde fast immer mit allen Nachbarn gemeinsam eingeholt! Allen wurden zu gleichen Teilen geholfen. |
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| Gemeinschaftliches Wäsche Waschen auf einem Hof in der Grafschaft Bentheim |
Sie Berichtete oft,
dass sie schon um 4 Uhr aufstehen musste und die Küche vorbereiten
musste für das Frühstück. Dann ging es schon los zum Melken und
Füttern. Das Futter musste dafür natürlich erst mit der Schaufel
oder Schubkarre geholt werden - nicht wie heute mit dem Trecker. Dann
musste die Milch in Kannen abgefüllt werden und zur Abholung bereit
gemacht werden. Dann war schon das Frühstück dran. Dafür musste
alles vorbereitet werden und alle versorgt werden. Wenn der Bauer
gegessen hatte, und aufstand, mussten auch alle anderen aufhören zu
essen und wieder an die Arbeit. Niemand maulte. Die Frauen in meiner
Familie räumten die Küche auf und machten sich dann an die Wäsche,
die von Hand in einem großen Bottich gewaschen wurde. Dann musste
man schauen, dass man den Männern gegen 10 Uhr etwas zu trinken in
den Wald brachte. Etwas warmes. Das musste natürlich auch zubereitet
werden. Danach wieder an die Arbeit. Dann war auch schon bald das
Mittagessen dran. Danach wurde das Haus geputzt und Gesponnen und den
Männern bei der Arbeit geholfen. Dann wurde es auch schon wieder
Zeit zu Füttern und zu Melken. Ganz nebenbei mussten die Kinder
erzogen werden, Organisatorisches für den Hof erledigt werden etc.
Meine Oma hat oft erzählt, dass die Vorräte im Januar oft so wenig
waren, dass es ihr schwer viel im Januar noch viele Lebensmittel
vorrätig zu haben. Oftmals kam ihr die Fastenzeit bis Ostern sehr
recht. Es gab fast jeden Tag Suppe!
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| Man verbrachte viel Zeit gemeinsam in der Natur- und selbst die Alten waren nicht allein. |
Die Arbeit war viel
und hart und trotzdem waren die Menschen zu dieser Zeit weniger
Krank.
Wenn meine Oma die
Berichte von „Burn Out“ hört, dann schüttelt sie den Kopf und
winkt ab: „Da kann ich nichts mit anfangen“ kommt dann. „Das
hatten wir früher nicht! Wir waren Abends müde aber glücklich. Wir
haben unseren Körper gespürt und wussten was wir getan haben! Und
wir haben uns auf das Wochenende gefreut, an dem wir dann die Sau
rauslassen durften!“
Und wieder bin ich
bei dem Satz meiner Oma: „Damals war die Arbeit viel mehr, aber wir
waren nicht so gestresst wie die Menschen heute...“. Ich habe lange
darüber nachgedacht. Was war anders. Und dann habe ich alte Fotos
gefunden- und ich verstand. Die Arbeit auf dem Hof war zwar hart,
aber man hat sie gemeinschaftlich bewältigt. Wenn die Wäsche
gewaschen wurde, dann wurde die Wäsche von mehreren Generationen
gewaschen- mit mehreren Frauen. Einmal in der Woche gab es den
Backtag im Backhaus in dem fast alle Frauen aus der Gegend gebacken
haben. Wenn irgendwo Besuch kam, dann half man sich. Die kleinen
Kinder wurden von den größeren mit erzogen und auch die Nachbarn
durften die Kinder „miterziehen“. Das Wort Familie hatte einen
ganz anderen Stellenwert als heute. Natürlich gab es auch Arbeiten
die man alleine machte. Warum auch nicht. Aber eben nicht alles. Die
Verantwortung lag bei allen zu gleichen Teilen.
Natürlich gab es
Streit! Das will ich gar nicht beschönigen. Aber man wusste immer,
was dem anderen gerade gegen den Strich ging und was er hatte. Das
brachte die Nähe schon mit sich. Es war ein Geben und Nehmen.
Egoistisch durfte man in dieser Zeit nicht sein, denn die Arbeit war
schier zu viel für einzelne und nur als Familie tragbar.
Und heute? Was ist
heute anders? Was fehlt?
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| Übersetzt: "Es ist hier sauber genug um nicht krank zu werden" und "schmutzig genug um glücklich zu sein" Nehmen wir vieles heute zu ernst? |
Ist es das Gefühl
von „ich muss es nicht alleine schaffen“, welches uns heute so
fehlt? Ist es die Nähe von Familienmitgliedern die fehlt? Oder ist
es sogar allgemein das Gemeinschaftliche Arbeiten welches seelischem
Stress vorbeugen kann? Ist es die Verantwortung auf einzelnen
Schultern? Man kann nur mutmaßen.
Meine Oma erzählte
noch weiter. „Die Abende waren schön! Wir saßen zusammen und
haben Treckebühl (Akkordeon) gespielt und gemeinsam gesungen. Wir
haben vom Tag erzählt und ab und zu hat Opa (der Alt-Bauer)
Geschichten aus seiner Jugend erzählt. Wenn wir ganz lieb
mitgeholfen haben, bekamen wir noch eine Apfelsine. Das war immer wie
ein Schatz für uns! So haben wir die dunklen Abende gerne verbracht!
Alle saßen um den Ofen drum herum und es war gemütlich“. Ja, der
Ofen als Lebensmittelpunkt in den Familien gibt es ja schon seit sehr
vielen Epochen.
Und wie ist es
heute? Wie ist es bei euch?
An Imbolc geht es
darum, dass die Brigid das Feuer zurück in die Häuser bringt.
Früher wurde sie dazu sogar feierlich ins Haus getragen. Es wurde
gesungen, gespielt und erzählt. Vielleicht können wir dieses Jahr mal ein Experiment wagen. Vielleicht können wir wenigstens an
diesem einen Tag auch so sein wie unsere Ahnen. Gemeinsam
zusammensitzen und „klönen“ und gemeinschaftlich das Feuer der
Brigid (das Lebensfeuer) zurück in unsere Herzen bringen, damit auch
unsere ganz persönliche Dunkelheit wenigstens für einen Abend durch
die Flamme der Liebe erhellt wird. Ganz egal ob ihr Imbolc im Kreise
eurer Familie feiert oder dazu ein Jahreskreisfest aufsucht. Seid an
diesem Tag nicht allein und lasst zu, dass aus dem ICH wenigstens für
ein paar Stunden ein WIR wird.
Das ist Balsam für
die Seele! Und ist die Brigid nicht auch die Göttin der Heilung?
Wir wünschen euch
ein Herz-Erwärmendes Imbolc
| Das Feuer der Heilung |



