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| Der Ipf bei Bopfingen im Nördlinger Ries |
Ich weiß, Ihr werdet wahrschienlich denken "jetzt macht der das Yin-Yang-Ding schooon wieder". Nun gut, ich werde im Folgenden beide Formulierungen verwenden. Aber ganz ehrlich, es paßt einfach zu gut! Ich will Euch auch sagen, wie ich darauf gekommen bin und vielleicht -aber nur vielleicht- teilt Ihr dann ja meine Meinung ?
Mir ist schon in unserem Sprachgebrauch und in unserer eher christlich geprägten Kultur aufgefallen, daß besondere Orte immer einem eher "männlichen" oder "weiblichen" Aspekt gewidmet zu sein scheinen. Denn manchmal deuten rein optische Merkmale auf ihre Polarität hin, manchmal tragen sie entsprechende Namen oder sind sehr oft sogar männlichen bzw. weiblichen Heiligen gewidmet. Manchmal kann man allein schon am Artikel ("der,die,das") merken, was dahintersteckt.
"Der Berg" zum Beispiel. Besonders markante Erhebungen in der Landschaft sind doch -Klischee-Warnung!- typische Phallus-Symbole. Zu weit hergeholt? Mag sein, aber schaut Euch doch gerne mal zum Vergleich die Externsteine an. Ganz spezielle Berggipfel sind desöfteren männlichen Heiligen gewidmet. Etwaige moderner klingende Ausnahmen bestätigen hoffentlich die Regel. Und weil die Berge und Gipfel der Luft so nahe sind und man sich dort weit, frei und aktiv bzw. positiv geladen fühlen kann, gehören sie für mich dem Yang-Aspekt an. Manche Berge tragen bedeutungsvolle Namen, zum Beispiel "die Belchen" im Elsaß bzw. den Vogesen: der Wortstamm besagt, daß sie einst dem männlichen Sonnengot Belenos gewidmet waren. Oh ja, "Die Sonne" war im Keltisch-Romanischen männlich, im Germanischen weiblich. Das kann man im französischen "le soleil" und im italienischen "il sole" noch heute erkennen. Und der gegensätzlich gepolte Mond war im Keltisch-Romanischen weiblich: la lune bzw. la luna. Ich scheine im Herzen kein Germane zu sein, denn mir gefällt eine Yang-Sonne und ein Yin-Mond irgendwie viel besser....
Und nun präsentiere ich das genaue Gegenteil zum Berg: die Höhle. Sie ist eindeutig dem Element Erde zugewandt, denn wieviel erdiger ginge es denn noch? Man fühlt sich dort zurückgezogen und behütet, wie in Mutters Schoß. Das wirkt auf mich ganz klar und eindeutig wie ein Yin-Ort.
Nicht ganz so eindeutig wäre "das Tal", aber nach meinem Gefühl und auch, wenn ich den Vergleich wagen darf, in der chinesischen Mythologie wird es eher erdig, weiblich, empfangend und behütend dargestellt. Eher mit sanften Wiesen als mit kantigen Felsen, und daher überwiegt für mich der Yin-Aspekt.
"Das Feuer" als Element klingt vom verwendeten Artikel her neutral (naja, "le feu" und "il fuego" sind aber männlich...). Darüberhinaus gibt es glücklicherweise "den Vulkan", zugleich Berg und Feuer. Noch männlicher, noch mehr Yang geht ja gar nicht :-) Für alle Nordlichter: es gibt in Deutschland einige (erloschene) Vulkane, die man noch heute besuchen kann. Zum Beispiel das Hegau in der Nähe des Bodensees, oder die Eifel mit ihren Maren, also mit Wasser gefüllten Ex-Vulkanen.
Ohje: da die Mare mit Wasser aufgefüllt sind bekommen sie wiederum gerne einen weiblichen Namen (z.B. Maria Laach).... lustig oder ? Da hat das Yin wohl über das Yang gesiegt. Mal sehen für wie lange, d.h. wann der Vulkan wieder ausbricht :-)
Die Gegenspielerin, wenn man das so sagen darf, zum Element des Feuers ist zweifellos das Wasser. Leider kann man das Wasser nicht immer so leicht einteilen wie einst Moses: Quellen und Grotten fühlen sich "weiblich" an: Sie stehen für Beruhigung, in-sich-gekehrt-Sein und Neutralisierung z.B. von Schmerz und Aufruhr und sind als besondere Orte gerne weiblichen Heiligen gewidmet, wenn nicht gar oft der Jungfrau Maria daselbst.
Flüsse hingegen sind mal weiblich, mal männlich. Die Donau bzw. Göttin Danubia geht in Ordnung, aber der Vater Rhein... na sowas! Wußtet Ihr, daß in der japanisches Mythologie besondere Flüsse oft einen sich schlängelnden Drachen zur Seite hatten, bzw. der Fluß selbst ein schlängelnder Drache war, zumindest in der Anderwelt? Und daß es auch in der japanischen Mythologie und im Shintoismus männliche und weibliche Drachen gibt?
Seen tragen immer männliche wenn auch neutral und eher beschreibend klingende Namen. Dennoch fühlen sie sich für mich oft sehr nach "Yin" an: "der Bodensee" klingt männlich-neutral, wohingegen "Lake Constance", dessen ausländische Bezeichnung, fast schon wieder weiblich anmutet. Seen haben in meiner Vorstellung desöfteren eine weiblich anmutende Begleiterin oder eine Beschützerin. In der Artus-Sage sprach man von der "Herrin vom See", und in meinen Gedanken und Reisen hatte ich irgendwann einmal eine Begegnung mit einer Nixe. Nymphen gehören ebenfalls dem Element des Wassers an und seien an Teichen gerne vorzufinden - natürlich nur in der Anderwelt...
Das, was ich bis jetzt heruntergeschrieben habe meine ich tatsächlich und fühle es auch genau so, wenn ich einen "besonderen Ort" besuche: ich kann den Yin oder Yang-Aspekt ganz deutlich spüren, oder glaube fest dies zu tun. Und ich glaube, daß jeder andere Mensch das kann, wenn er es nur zuläßt.
So geschah es mir beispielsweise recht deutlich bei einem Besuch des Bernhardusberges bei Schwäbisch Gmünd, der dem (männlichen) Sankt Bernhardus gewidmet ist. Und wo man in den letzten Jahren um die dortige Kapelle herum bei Ausgrabungen neben schon länger bekannten Grundmauern einer noch älteren Kapelle sogar einen (vor-)keltischen Ringwall fand. Also waren die vermeintlichen Hügelgräber, die ich einst dort besuchte, wohl doch "echt"...
Wortspiel-Alarm: Die weiter oben schon erwähnten Externsteine boten mir genauso männliche hervorstehende Merkmale und Empfindungen, nur der kleine See um die Felsen herum hatte für mich eindeutig "Yin" Aspekte. Also kommt dort beides zusammen - eine sehr schöne Erfahrung, finde ich !
Und dann gibt es noch einen ganzen Park von besonderen Hügeln im südlichen Teil des Nördlinger Ries, einem uralten, im Durchmesser -zig Kilometer großen mittlerweile überwucherten Meteoritenkrater.
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| Blick vom Ipf auf Bopfingen. Der sichtbare Trampelpfad führt auf einem Ringwall entlang. |
Doch leider ist der Ipf recht gut besucht: er lockt tagsüber zahlreiche Schaulustige mit Autos und Reisebussen an. Zwar dürfen diese nicht bis an den Gipfel heranfahren, so daß der Ipf ein wunderschönes Naturdenkmal bleibt, umgeben von blühenden Wiesen und von relativer Stille. Diese wird nur getrübt von unruhigen Wanderern und Gipfelstürmern. Aber nicht alle Wanderer tragen so viel Unruhe in sich, und es gibt viele Zeiten, zu denen man sich ungestört dort einfühlen kann.
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| Eine Allee alter Bäume führt auf dem Weg zum Gipfel entlang | Ein weiterer Trampelpfad auf einem inneren Ringwall nahe dem Gipfel |
Glücklicherweise gibt es in der Gegend noch viel mehr besondere Orte. Neben vieler Burgen, Ruinen und einiger weiterer Wallanlagen und Hügelgräber findet man sehr besondere und vor allem unbekanntere, stillere Hügel. Wie den Rollenberg bei Hoppingen.
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| Blick vom Rollenberg bei Hoppingen |
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| Meditation auf einem Fels-Vorsprung des Rollenberges. Das Foto trügt - es geht dort sehr steil und tief bergab...! |
Ich weiß, es klingt ein wenig wie Prahlerei, und das tut mir sehr leid! Ich war einfach so sehr von dieser Entdeckung begeistert und berührt, daß ich davon irgendwann einmal erzählen mußte... bitte seht es mir nach.
Wer beim Besuch "männlicher" Orte den männlichen Aspekt vermißt oder nicht wirklich deutlich zu erfühlen vermag, dem empfehle ich einmal das genaue Gegenteil zu tun und einen besonders "weiblichen" Ort aufzusuchen. Dann, durch den möglicherweise auftretenden Kontrast, wird der Unterschied und die Gegensätzlichkeit vielleicht ganz besonders klar. Denn wer immer nur "Yang" kennt, immer nur "Kraft ansammeln" und "Erstarken", der fühlt einen möglichen Unterschied zu "Leere" und "Stille" vielleicht nicht mehr. Dann benötigt man am besten eine ordentliche Portion Yin zum Ausgleich und zum Vergleich. Denn ohne das Eine fehlt irgendwo auch das Andere, man erkennt es nicht mehr. Ein taoistisches Prinzip, hier einmal beispielhaft aufgezeigt...?
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| Der "Hohle Fels" aus der obersten Etage gesehen |
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| Der enge Eingang in die Höhle ist das kleine schwarze Loch hinten im Bild | Wie gigantisch und beeindruckend das Gewölbe hinter dem Eingang ist, kann ein Foto leider nicht vermitteln... |
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| Die schwarzen bzw. dunklen Stellen sind von Ruß bedeckt. Er fühlt sich schon leicht kristallin an, ist aber eindeutig als Ruß wiederzuerkennen und schwärzt die Finger :-) |
Es gäbe noch so viele weitere Beispiele zu nennen. Aber ich denke es ist an dieser Stelle vielleicht besser Euch zu fragen, ob Ihr nicht auch männliche und weibliche Orte, dem Yin bzw Yang zugewandte Orte kennt und -für Euch- benennen könnt ? Und ob es nicht vielleicht anregend wäre, einmal einen gegenteiligen, einen "anders gepolten" besonderen Ort zu besuchen und zu erfühlen, um den Unterschied selbst einmal möglichst deutlich zu erfahren. Also einmal so richtig "Yin" statt immer nur "Yang" wie heutzutage üblich - oder genau umgekehrt...?
Gehabt Euch wohl,
Euer ilfur









