![]() |
| Wer nur seine Ellenbogen gebraucht, der verkümmert. |
... oder Gedanken zur wahren Geisterwelt
Am
Vorabend zu Allerheiligen ist es wieder soweit. Wir feiern Samhain.
Vom 31. Oktober auf den 1. November begeben wir uns wieder in eine
andere Welt.
Für
viele ist dieser Tag oder vielmehr diese Nacht das „keltische Silvester“. In dieser Nacht
wird der Übergang vom alten ins neue Jahr gefeiert und in
dieser Nacht gibt es eine Zeit zwischen den Zeiten. Sie schafft Raum
zwischen dem Alten und dem Neuen. Eine Zeit zwischen den Zeiten.
Die
sogenannte Totenwelt ist besonders durchlässig und der Kontakt zu
den Ahnen ist möglicher als sonst. Eine alte Sage besagt, dass den
Toten in dieser einen Nacht (in der es keine Zeit gibt) erlaubt ist,
an den Ort ihres früheren Lebens zurückzukehren. Da die noch
lebendigen Familienangehörigen höchsten Respekt vor dem Tod hatten,
war diese Nacht für viele eine Nacht, die Schauer hervorrief. Nicht
alle lebenden Angehörigen waren im Einklang mit den Toten und hatten
Angst, von diesen Seelen heimgesucht zu werden. Gründe gab es viele. Streitereien vor dem Tod oder schlechte Gewissen, alte Fehden...
Die Lebenden mieden Orte wie
Friedhöfe, Wegkreuzungen und dergleichen von denen man glaubte, dass
hier die Seelen auf die Welt treffen und dort wahre Sammelplätze für
Seelen seien.
Ein
ebenso alter Brauch ist es, in der Samhain Nacht ein Licht in das
Fenster des Hauses zu stellen, damit die Seelen der Ahnen heim finden. Ferner
sollte dieses Licht ein „willkommen“ symbolisieren. Auch stellte man
beim Essen ein Gedeck mehr auf den Tisch um den Seelen zu zeigen,
dass sie gern gesehen waren. Oftmals wurde dieses Gedeck auch am
„Hauptplatz“ der Tafel gedeckt. Als Zeichen dafür, dass Respekt
gezollt wurde. Für viele Kulturen ist der Ahnenkult sehr wichtig und
aus diesen „Ahnentreffen“ wurde Kraft gezogen, es wurde orakelt
und die Ahnen nach Antworten gefragt. Dazu wurden Karten gelegt,
Orakel befragt, etc. Diese Nacht verbrachten lebende und tote als
Gemeinschaft, als Familie. Jeder war füreinander da. So seltsam das auch klingen mag.
Samhain... Der
Übergang von der hiesigen Welt in die Anderswelt ist sehr dünn...
Dieser "Übergang von einer Welt zur anderen gleicht in dieser Nacht einem Niemandsland, wo
weder Ordnung noch Gesetz herrscht", so habe ich es gelesen.
Man
könnte diese Übergänge auch als „wirbelndes Chaos“ bezeichnen.
Wirbelndes
Chaos. Seltsam.
Wenn ich an Samhain denke, dann denke ich an Ruhe, an
friedvolle Rituale und eine Stimmung wie sie mit Worten schwer zu
beschreiben ist. Die Geister der Ahnen um mich... Schöne Erinnerungen...
Wo soll da bitte „wirbelndes Chaos“ sein? Ist es
nicht vielmehr so, dass die Welten vertauscht sind? Wenn ich mich im
Alltag (also jeder Tag außer Samhain) so umsehe, schaudert es mich. Respektlosigkeit,
Engstirnigkeit, Egoismus an jeder Ecke.
Es
scheint so, als hätten die Menschen aufgehört miteinander zu leben.
Es fühlt sich an, als hätten die Menschen hier beschlossen
gegeneinander zu leben. So etwas kennt man doch nur von "bösen Geistern"?
Es geht nur noch darum am schnellsten,
schönsten, genialsten, reichsten zu sein. Die Menschen haben ihren
Kopf gen Himmel gehoben und sehen das wahre Leben nicht mehr.
Egal
ob es im Supermarkt die alte Frau ist, die nicht an die Waren im
obersten Regal kommt und niemand ihr hilft, oder ob es im
Straßenverkehr der Drängler ist, der einen schon fast zum Kampf um
Leben und Tod rausfordert nur weil man nicht so schnell Platz gemacht
hat, wie er es gerne hätte, oder ob es runtergefallene Dinge sind an
denen achtlos vorbeigegangen wird, manchmal sogar draufgetreten wird. Wenn ihr darüber nachdenkt, fallen euch bestimmt auch sehr viele dieser Situationen ein, in der mit Kälte und Egoismus gehandelt wird.
Ob
es der Freund in der nahen Umgebung ist, der so vollgefressen von
Problemen ist und niemand mehr wirklich Zeit hat sich dem anzunehmen,
… ein stilles Seelenverkümmern. Ob es der "immer gestresste
Businessmensch" ist, dem Dinge wie Geld und Anerkennung wichtiger sind
als Dinge aus denen er Kraft ziehen kann.
Oftmals
haben die Menschen einfach nur verlernt ihr Gegenüber mit ALLEN
SINNEN wahrzunehmen und sich in Liebevoller Zuwendung mit ihm zu befassen, Zuzuhören, zu fühlen wie es dem Gegenüber
geht, ab und zu mal etwas anfassen und machen, was nicht dem eigenen
Zweck dient. Rücksicht, Respekt, hingebungsvoller Umgang, Liebe...
Das
alles scheinen Fremdwörter geworden zu sein...
Und
ehrlich? Nicht die Geister an Samhain machen mir Angst, sondern diese
Gesellschaft in der wir leben.
Es
sind nicht die Erinnerungen an Ahnen, die mich besuchen kommen
könnten, die mich in dieser Nacht zittern lassen. Nein!
Es
ist vielmehr das, was in der hiesigen Welt geschieht!
Wirklich
gruselig ist der Mensch der heutigen Gesellschaft, der eigentlich
seelisch schon verkümmert und kalt ist, weil er verlernt hat zu
leben, weil er verlernt hat, dass „geben und nehmen“ im Einklang
bleiben müssen! Wenn ihr mich fragt, sind das die wahren
„Gruselgeister“. Schatten ihrer Selbst...
Und
wenn diese „Energievampire“ unterwegs sind, werde auch ich mich
schützen!
Und
ich werde diese Nacht- unser Neujahrsfest- dafür nutzen, mir selbst
wieder in Erinnerung zu rufen, wie liebevoll das Leben sein kann, wie
„voll“ und „wunderschön“, wenn man sich nur die Zeit nimmt
das Leben mit allen Sinnen zu erleben und zu leben. Sich zu öffnen und von Herzen zu geben ohne das der Satz fällt: "Und was habe ich davon?"
Und
so nehme ich mir für dieses Samhain als Vorsatz, wieder mehr
Rücksicht und Respekt zu leben. Auch wenn ich damit ziemlich allein
dastehe! Es ist mir egal! Denn irgendjemand muss schließlich den
Anfang machen, damit diese Welt nicht noch weiter zur „Geisterwelt“
wird, in der Samhain für mich fast schon eine „Erholung“ ist im
Gegensatz zu dem, was ich sonst so tag ein tag aus erlebe...
In
diesem Sinne
passt
auf euch auf! Blessed be!
