Am Kreuzweg weint die verlassene
Maid,
Sie weint um verlassene Liebe.
Die
klagt den fliegenden Wolken ihr Leid,
Ruft Himmel und
Hölle zu Hülfe.-
Da stürmt es heran durch die
finstere Nacht,
Die Eiche zittert, die Fichte
kracht,
Es flattern so krächzend die Raben.
Am Kreuzweg feiert der Böse sein Fest,
Mit
Sang und Klang und Reigen:
Die Eule rafft sich vom
heimlichen Nest
Und lädt viel luftige Gäste.
Die
stürzen sich jach durch die Lüfte heran,
Geschmückt
mit Distel und Drachenzahn,
Und grüßen den
harrenden Meister.
Und über die Heide weit und breit
Erschallt es
im wilden Getümmel.
"Wer bist du, du schöne,
du lustige Maid?
Juchheisa, Walpurgis ist
kommen!
Was zauderst du, Hexchen, komm, springe mit
ein,
Sollst heute des Meisters Liebste sein,
Du
schöne, du lustige Dirne!"
Der Nachtwind peitscht die tolle Schar
Im Kreis
um die weinende Dirne,
Da packt sie der Meister am
schwarz-gelockten Haar
Und schwingt sie im sausenden
Reigen,
Und wie im Zwielicht der Auerhahn
schreit,
Da hat der Teufel die Dirne gefreit
Und
hat sie nimmer gelassen.
Theodor Storm (1817-1888)
