Der sanfte Frühling kommt... sanft?
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| (c) by Elke Baumberger |
Wer
in letzter Zeit mit offenen Augen durch Feld, Wald und Wiesen
gegangen ist, hat bemerkt, dass die ersten Frühlingsboten schon da
sind. Schneeglöckchen blühen, morgens wird man wieder von den
Vögeln geweckt, ja sogar einen Storch habe ich gestern Abend
gesehen.
Die
ganze Welt atmet auf und freut sich, dass der harte Winter seine
Herrschaft beendet hat und der leichte, sanfte Frühling da ist. Aber
ist der Frühling wirklich so sanft? Wir gehen mit schnellem Schritt
auf Ostara zu und ich habe mir meine Gedanken über dieses Fest
gemacht. Die ersten Gedanken waren: „Fruchtbarkeit, Licht,
Fröhlichkeit, etc“. Aber ich habe gelernt, jetzt immer beide
Aspekte des Lebens zu sehen. Und da ich in den letzten Jahren viel
über das Licht an diesem Fest geschrieben habe, möchte ich mich
jetzt der anderen Seite widmen.
Für
Strawinsky ist der Frühling z. B nichts liebliches, sanftes oder
schönes, sonder etwas Brutales. Das Leben kehrt zurück nach der
Zeit des Winter-Todes. Das ist aber keine sanfte Angelegenheit,
sondern eine Kraftvolle. Die Pflanzen brechen mit voller Wucht durch
die Erddecke oftmals müssen sie sich ihren Weg auch durch die
Schneedecke suchen um ans Licht zu gelangen. Die Luft ist angefüllt
mit Hormonen die einem fast den Verstand rauben, die einen
durcheinander bringen. Die Natur ertrotzt sich ihren Lebensraum
zurück. Sie muss dafür Kämpfen! Und sie tut es, ohne Murren und
Knurren.
Ich
habe mich gefragt, ob diese Zeit deswegen den „Widdern“ im
Sternkreiszeichen gewidmet ist. Weil das Leben mit einer
unglaublichen Beharrlichkeit und Kraft seinen Weg zurück sucht –
aus einem langen, tiefen Schlaf. Und das ist alles andere als sanft.
Und manchmal denke ich, dass auch der Mensch, wie der Widder für
diese Zeit Hörner brauchen könnte. Den Willen brauchen könnte.
Denn
wer kennt das nicht? Man kommt einfach noch nicht aus seinem
„Winterloch“ raus?
Für
mich ist Ostara ein Aufatmen, eine Befreiung vom langen, schweren
Winter. Ich spüre den Frühling in mir und spüre, wie ich wieder
„offener“ werde. Das Leben und vor allem das Licht wieder mehr
genieße. Oft stehe ich jetzt morgens einfach nur vor dem Haus und
lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Atme tiiiiief ein und
genieße. Das tut nach den dunklen Monaten so unglaublich gut.
Manchmal
habe ich das Gefühl, dass der Winter mit seiner Dunkelheit
eigentlich meine Seelen(aus)zeit ist. Die Seele kommt zur Ruhe und
fängt an zu verarbeiten. Man ist der dunklen Seite in sich selbst so
nahe wie zu keiner anderen Jahreszeit. Man hat sich daran gewöhnt,
über die Wintermonate ruhig zu sein, war in sich gekehrt. Hat über
vieles nachgedacht, Entscheidungen getroffen, gekämpft...
Ich
habe vor einiger Zeit gelernt, dass man nicht sagen soll: „gekämpft“
aber an dieser Stelle finde ich das Wort absolut richtig! Denn es ist
ein Kampf den man mit sich selbst führen muss. Möchte ich mich
wieder dem Licht zuwenden oder nicht? Möchte ich mich dem Frühling
öffnen oder nicht? Möchte ich altes hinter mir lassen oder eben
nicht?
Es
ist eine Herausforderung sich jetzt nicht vor dem Leben zu
verstecken, in seinem Trott zu bleiben, weiter seinen Problemen
hinterher zu trauern, sich selbst zu Bemittleiden, sondern sich dem
Leben in all seiner Fülle, Farbe und Pracht zu stellen. Vergangenes
zu überwinden, zu vergessen, nach vorne zu schauen und den Frühling
BEWUSST erleben. Und sich BEWUSST wieder zurückzukämpfen!
Das
wird nicht immer leicht sein, vor allem das loslassen... ich rede aus
eigener Erfahrung!!!
Aber
machen wir es der Natur nach. Suchen wir uns mit aller Kraft unseren
Weg wieder ans Licht.
Lasst
uns in der Osternacht die Dämonen, Probleme, dunkle Gedanken,
Krankheiten und Sorgen die in uns sind verbrennen. Das geht am besten
durch ein großes Osterfeuer und lasst uns die Nacht bewusst erleben
und Abschied nehmen von all dem was uns belastet. Lasst uns
zuschauen, wie das Feuer mit den „Überbleibseln“ des Winters
langsam herunterbrennt und aus einstiger Kraft und Zerstörungswut
nur noch eine langsam erstickende Glut übrig bleibt...stellt euch
vor das Feuer und spürt, dass es euch nicht verbrennen wird, sondern
dass ihr danach noch lebendiger seid als vorher!
Und
wenn die Sonne aufgeht, dann lasst uns zur nächsten Quelle gehen
und einen Schluck vom frischen Ostara-Wasser nehmen. Frisch, klar
und rein, es wird uns vor Krankheiten schützen und uns gut tun! Uns
daran erinnern, wie schön das Leben ist!
Ich
wünsche euch allen ein sehr tiefes, kämpferisches Ostara!
Blessed
be!!!
Ein Winter, so unsagbar kalt
Umarmt mein Kristallherz, so kalt
Doch Frühling, mit fleißiger Hand Sät Blumen und Grün
Über einst totes Land
Und tief in mir schmilzt jedes Eis
Zu Flüssen aus Farben Weder schwarz noch weiß
Und manchmal, da denk' ich an dich
Und plötzlich da fühle ich mich
... ganz winterlich . .

